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Die Karriere des alten Singer/Songwriter-Haudegens und Gitarristen Stephen Duffy dreht sich irgendwie im Kreis. Die vergangenen beiden Jahre verbrachte er zwar mit dem Schreiben am Album „Intensive Care“, allerdings war das nicht sein erster Kontakt mit dem „Boys Band“-Phänomen. Anno 1979 war Duffy schließlich einer der Mitbegründer der Band ‘Duran Duran’, die er jedoch verließ, bevor die Band –MTV sei Dank– richtig mega wurde.

Zwischen den Duran- und Robbie-Jahren werkelte Duffy an seiner Solokarriere und wurde zudem Lead-Sänger der Folk/Pop-Gruppe The Lilac Time. Sein 1985 erschienenes Solo-Album „The Ups and Downs“ enthielt zwei Hits: „Kiss Me“ und „Icing on the Cake“. Die Lilac Time mauserten sich 1987 mit ihrem ersten Album zum Indie-Liebling und setzten mit „Paradise Circus“ und „Astronauts“ später noch zwei drauf. Außerdem hat er Spaß an ausgefallenen Projekten, so z.B. mit Alex James der Gruppe Blur, mit dem er die Single „Hanging Around“ einspielte. Ganz zu schweigen von Nigel Kennedy (auf dessen Soloalbum „Music in Colors“) und –da schließt sich der Kreis– Nick Rhodes der Duran Duran, mit dem er The Devils gründete.
Er ist eine echte britische Pop-Institution geworden und genießt das jetzt auf eine einzigartige Art: Indem er mit Robbie dessen Sommertournee (natürlich vor ausverkauften Arenen) bestreitet. Alan Scally von KORG hat sich mit ihm über sein neues Projekt und natürlich seine lange Karriere, in der KORG immer wieder eine Rolle spielte, unterhalten.

Als wir uns vor einem Jahr das erste Mal trafen, stecktest du noch mitten in den Aufnahmen mit Robbie Williams in den Hügeln von Hollywood. Mittlerweile ist „Intensive Care“ erschienen – und ist das bestverkaufte Album 2005 in Europa. Jetzt bist du wieder in London und bereitest dich auf eine Robbie-Tour vor, bei der du insgesamt vor über zwei Millionen Leuten spielen wirst…
Stimmt, ist ja auch alles im Freien, in Stadien…
Übertrifft das die Erwartungen, die du am Anfang dieses Projekts hattest?
Eigentlich erwartete ich rein gar nichts. Als ich mit dem Mit-Schreiben begann, dachte ich, es wäre sowieso nur für zwei Titel. Daraus wurde dann ein ganzes Album, was doch schon fast an ein Wunder grenzt. Erwartet hatte ich das mit Sicherheit nicht.
Außerdem war mir beim Schreiben (das schlussendlich zwei Jahre gedauert hat) klar, dass nicht alle Titel hinterher auch auf dem Album landen müssen. Also habe ich während der ganzen Zeit nicht daran gedacht und nichts erwartet. Es war aber trotzdem unglaublich.
Dann wurde ich zum „MD“ [Musical Director], und die Leute glaubten, dass ich mich vor allem mit Promo-Sachen wie „Radio“ befassen würde. Auf die offizielle Ernennung zum „MD“ warte ich bis heute – aber de facto bin ich es. Ich mache gerade etwas, das ich noch nie gemacht habe und wusste also gar nicht, was man sich davon versprechen kann. Deshalb fanden Erwartungen in dem Sinne gar nicht statt! Bis jetzt ist es unglaublich. Und mit LIVE 8 als erstem Gig – da muss man schon ein wenig Standvermögen haben!
Vielen anderen wäre bei dem Riesenpublikum gewiss ziemlich mulmig geworden.
Für mich war es ein dicker Brocken. Für Robbie aber auch, weil er seit Knebworth nicht mehr in England aufgetreten war. Außerdem haben wir uns nicht mal richtig darauf vorbereitet. Zwei Tage proben – während der er dann noch ein Buch las! (Lacht.) Es hätte also ein Desaster werden können. Und damit wäre mein Ende als MD dann wohl besiegelt gewesen!
Zum Glück war dem aber nicht so. Reden wir ein paar Takte über das Album. Man hört allenthalben, dass „Intensive Care“ ein reiferes und vielseitigeres Robbie Williams-Album geworden ist. Habt ihr euch mit klaren Vorstellungen an die Arbeit gemacht oder hat sich das irgendwie ergeben?
Wir haben zwei Jahre lang experimentiert. Rob hat eigentlich nie in einer Band gespielt. Er war zwar Mitglied von Take That, aber die Kehrseite der Medaille mit der Arbeitslosigkeit und dem Herumexperimentieren mit unterschiedlichen Stilen im stillen Kämmerlein –allein mit der Gitarre– kennt er nicht. Das hat er erst mit 29 oder 30 gemacht. Anfangs saßen wir viel herum, spielten unterschiedliche Musikstile, so z.B. eine Woche lang Joy Division und New Order, dann eine Woche Power-Pop usw. Das war nicht geplant – es passierte einfach. Die meisten Demos waren irgendwie elektronisch angehaucht, mit Drummaschinen und Keyboards. Erst danach entwickelten sie sich allmählich zu den Albumversionen.

Habt ihr also öfter die Keyboards angeschmissen als zur akustischen Gitarre zu greifen?
Nun, am ersten Tag hatte ich eine akustische Gitarre dabei und er sagte: „Das ist genau, was ich nicht machen möchte. Tun wir lieber etwas, was ich noch nicht gemacht habe.“ Also haben wir auf den Keyboards gespielt. Das hatte er noch nicht so oft getan – aber jede seiner Figuren war auf Anhieb eine Hook-Line. „Radio“ entstand z.B. aus drei kleinen Ideen.
Ich staune immer wieder, was unerfahrene Musiker so alles von sich geben. Nehmen wir z.B. „Tripping“: Obwohl er noch nie Bass gespielt hatte, stammt der Basspart von ihm. Das ist einer der faszinierenden Aspekte an diesem Album: Er spielt auf jedem Track mit. Und zwar spielt Rob immer Gitarre, Keyboards oder Bass. Vielleicht wirkt das Album deshalb verbindlicher. Eben weil er die meisten Instrumente noch nie in der Hand hatte, wirken die Songs zwar nicht simpel, aber doch irgendwie komisch bzw. witzig.
Meinst du, das ist natürlicher, während erfahrene Musiker zu schnell auf Altbewährtes zurückgreifen?
Na ja, ich betrachte mich nicht wirklich als Musiker. Ich kann zwar eine akustische Gitarre zupfen und weiß auch, wo sich die Noten auf einem Keyboard befinden. Und eine Drummaschine kann ich wohl auch leidlich programmieren. Aber eingeschüchtert habe ich ihn mit meinen Fähigkeiten gewiss nicht. Wir haben einfach auf sehr natürliche Art und Weise –fernab aller Musiktheorie– experimentiert. Wir konnten uns im selben Raum aufhalten, ohne dass er fortwährend denken musste, das Spielen doch besser mir zu überlassen.
Obwohl das auch vorgekommen ist. Es gab Momente, wo wir nebeneinander standen, er mit der Gitarre, ich mit dem Bass, und wo er dann plötzlich sagte: „Ich weiß nicht mehr weiter.“ Da haben wir den Recorder einfach angehalten und getauscht: Er am Bass und ich an der Gitarre. Wenn man sich das hinterher anhört, denkt man bisweilen: So habe ich ja noch nie gespielt. Und dann fällt einem wieder ein, dass es ja Rob ist. Irgendwie komisch.
Welche Songs gefallen dir am besten?
„Make Me Pure“, weil wir davon kein Demo gemacht haben. Wir gingen einfach ins Studio und fingen an. Der Chor und die Streicher haben geradezu Gänsehautqualitäten. Alles lief wie am Schnürchen. Und nach einer halben Stunde war’s im Kasten! „Tripping“ dagegen dauerte zwei Jahre zwischen Robs Basspart und den Streichern, die ganz zuletzt hinzukamen. Der Titel hat sich ziemlich oft und radikal geändert. Lange Zeit klang er wie Daft Punk. Rob war ganz aus dem Häuschen, und so haben wir immer wieder daran gearbeitet. Als der Song endlich fertig war, erinnerte kaum noch etwas an die ursprüngliche Idee… Es ist ein bombastischer Titel geworden.

Ich möchte noch etwas über das Schreiben wissen. Hattet ihr einen bestimmten Sound im Hinterkopf? Gab’s Genres oder Strömungen, auf die ihr euch bezogen habt? Habt ihr die Melodie und den Text gemeinsam erarbeitet oder euch immer nur getroffen, wenn etwas da war, an dem es sich zu arbeiten lohnte?
Rob kam mit allem an. Er gab die Marschrichtung vor und ich folgte ihm. Ich glaube, Electronic, jene Projekt-Band mit Johnny Marr und Bernard Sumner, war etwas, auf das er sich bei zwei Songs bezog. Und dann spielte er ab und zu etwas der New Order oder Joy Division. In jener Ära haben wir uns vor allem schlau gemacht. Manche nennen das wohl „Manchester“!
Da ich bereits in den 1980ern Platten veröffentlicht hatte, glauben viele, dass ich für den 80er-Touch verantwortlich zeichne. Das stammt aber vor allem von Rob. Schließlich ist er in den 1980ern aufgewachsen. „Louise“ der Human League kam übrigens ebenfalls zur Sprache.
So langsam glaube, er verschlingt viele unterschiedliche Musikgenres.
In Sachen HipHop und Rap macht ihm keiner etwas vor, da ist er ein wandelndes Lexikon. Er hat einen sehr breiten Geschmack. Schließlich mag er sowohl extremen Rap als auch Morrissey.
Beim Schreiben habt ihr auch KORG-Instrumente gebraucht. Welche haben euch am meisten inspiriert?
Wir haben die Triton Extreme gebraucht, die ich auch hier [bei den Proben] habe und den MS2000B mit dem Vocoder. Viele Keyboards befinden sich heutzutage in einem Rack oder existieren nur noch als Plug-Ins. Rob und ich fanden das etwas dürftig – wir wollten schrauben und drücken.
Beim Experimentieren will man schließlich nicht zum Mann am Computer rennen und ihn bitten müssen, den Klang eine Idee mehr so oder so zu machen… Mit dem MS2000B Vocoder haben wir Stunden gespielt. Die Triton-Streicher haben wir als Leitfaden benutzt. Von der Triton Extreme stammt übrigens der ätherische Streicher-Sound auf „Advertising Space“.
Welches Gitarren-Equipment hast du auf dem Album verwendet?
Ich habe den Vox Valvetronix Verstärker gebraucht. In „Advertising Space“ spielt er die Hauptrolle.
Wenden wir uns jetzt The Lilac Time zu. Erscheint da demnächst etwas Neues?
Ja, die ersten drei Alben erscheinen, glaube ich, im Mai – die Duffy-Sachen, das Album mit Nigel Kennedy, Music in Colors, I Love My Friends, Astronauts. Erstmals wird also alles, was ich jemals veröffentlicht habe, simultan verfügbar sein.
Im Sommer bist du auf gigantischer Stadiontournee. Was geht einem durch den Kopf, wenn man sich auf solch ein Megaprojekt vorbereitet?
Während der Arbeit am Album habe ich nie gedacht: Du arbeitest gerade am neuen Robbie Williams-Album. Ich habe eigentlich nie weit voraus gedacht. Wichtiger war mir, in der betreffenden Woche so viel wie möglich zu erledigen. Außerdem glaube ich, dass Leute, die sich vornehmen an einem Nummer-1-Album zu arbeiten, meistens enttäuscht werden. Folglich denke ich momentan nur an das erste Konzert in Südafrika. Alles ist sowieso irgendwie theoretisch.
Mein erster Gig im Freien war LIVE 8. Es war schon nützlich, einmal vor so vielen Leuten zu spielen. Mein Job ist, dafür zu sorgen, dass die Musik funktioniert. Andere Leute müssen daraus einen Stadion-Event machen.