Auf der Bühne muss es fließen

 

Schloss Kapfenburg ist ein idealer Ort, um Maik Schott zu treffen. Zum dritten Mal spielt der Hamburger Live- und Studiomusiker mit Sasha im Rahmen des Kapfenburgfestivals. 2000 Fans warten gespannt auf den Auftritt des beliebten Popstars, der mit seiner aktuellen Tour „Good news on a bad day“ quer durch Deutschland unterwegs ist. Kurz vor dem Auftritt nimmt Maik noch die letzten Einstellungen an den Keyboards vor und dann beginnt auch schon die Show: 90 Minuten feinster Pop.  Sasha fällt es nicht schwer mit lockeren Sprüchen und eingängigen Melodien das Publikum zu gewinnen. Die Band sorgt für den passenden Groove.  Maik überrascht mit Ziehharmonika auf einem Barhocker und macht zudem eine souveräne Figur als Sänger mit Hut. Hut ab! Nicht nur die Fans sind begeistert. Auch für Maik ist der Gig auf Schloss Kapfenburg etwas Besonderes.

 

KORG im Gespräch mit Maik Schott

 

Beeindruckende Show. Gratuliere. Wie war es für Dich?

Danke. Hier zu spielen ist immer mördergeil. Das Ambiente ist wunderschön. Die Burg, der Sternenhimmel, der Sound auf der Bühne und nicht zuletzt die tolle Stimmung im Publikum machen das Festival zu einem Erlebnis.

 

Ein Erlebnis, das im Gedächtnis bleibt?

Definitiv. Schloss Kapfenburg ist ein besonderer Ort für mich. Vor allem auch, weil ich meine jetzige Freundin hier kennen gelernt habe.

 

Du bist sehr flexibel auf der Bühne. War das schon immer der Fall?

Ich wurde früh gefördert und gefordert. Mein Glück ist, dass ich ein Keyboarder bin, der aber auch Piano spielen kann, sich mit der ganzen Technik auskennt und auseinander setzt. Ich denke, das Packet stimmt.

 

Bei SASHA gibt es ja eine klare Trennung. Hier der Künstler, da die Band. Ist es ok, nicht direkt im Spotlight zu sein?

Ach, ich finde das ganz gut so. Ich bin kein Frontmann, sondern schiebe lieber den Karren von hinten an. Die Beziehung zu Sasha und den anderen Musikern ist professionell. Wir verstehen uns aber auch privat, passen musikalisch und menschlich sehr gut zusammen.

 

Live benutzt Du einen KORG M3XP, den RADIAS und die CX3 II Orgel. Was überzeugt Dich an diesen Geräten?

Der M3XP überzeugt mit einem großen Samplespeicher und fantastischen Grundsounds. Ich benutze den M3XP, um meine ganzen Samples (Melotron, Gitarrenloops, etc) abzuspielen und mit dem RADIAS mache ich alle analogen Sounds (Pads, Moog, etc.). Eine gute Ergänzung also. Das hat sich bewährt.

 

Wie wichtig ist neben dem Equipment die Technik des Musikers?

Sehr wichtig. Talent reicht nicht aus. Die Technik muss man sich hart erarbeiten. Sie ist das Vokabular, um sich auf der Bühne auszudrücken.

 

Wie hart musstest Du Dir Deine Technik erarbeiten?

Naja ich habe schon sehr früh Unterricht genommen. Während meiner Studienzeit in Arnheim habe ich dann täglich 5 Stunden geübt. Aber nicht weil ich musste. Ich wollte es einfach wissen und hatte Bock auf Musik. Technisch gesehen, muss man immer am Ball bleiben. Aber auf der Bühne muss es fließen. Da habe ich keine Lust mehr über Technik nachzudenken. Da wird Musik gemacht und nicht über irgendwelche Skalen nachgedacht.

 

War Dir schon immer klar, Musiker zu werden?

Irgendwie schon. Ich hab mir nie ein Kopf darüber gemacht. Es war ein natürlicher Fluss. Ich muss eher sagen, dass es nie in Frage kam, etwas anderes zu machen. Es war nur kurz vor meinem Studium mal Thema, als mein Vater eingeworfen hat: Meinst du, das ist das Wahre?

 

Dieses Musikerleben? Was muss man dafür mitbringen?

Vielseitigkeit, denke ich, ist eine ganz nützliche Tugend, die man mitbringen sollte. Wenn man ein umgänglicher Typ ist, ist das auch von Vorteil. Sonst wirst Du schlicht nicht gefragt.

 

Ein bisschen Glück brauchst Du auch. Wo hast Du Glück gehabt?

Es ist immer ein Glück, wenn sich Leute an einen erinnern. Ich hab mal bei James Kakande, einem Künstler, der von Mousse T produziert wurde, gespielt und dessen Tourmanager rief mich irgendwann an, als ich mit Sasha im Studio war. Dieser Tourmanager hat mich bei Andrew Roachford als Keyboarder für nen Gig im Rockpalast vorgeschlagen. Das war großes Glück. Genauso war es mit Dick Brave & the Backbeats Ende 2002. Unabhängig davon entwickelten sich auch andere Dinge, wie in Köln die Anke Engelke Late Night Show. Das hat unfassbar viel Spaß gemacht, weil die Band so geil war und wir spielen durften, was wir wollten.

 

Auch eine andere Welt oder?

Stimmt. Wir haben fast jeden Tag im Fernsehen live gespielt. Das bedeutete aber auch, 8 Stunden im Studio rumzuhängen und effektiv nur 45 min zu spielen. Trotzdem hat es total Bock gemacht.

 

Gibt es auch Stationen, an die Du Dich weniger gern erinnerst?

Der schlimmste Auftritt meines Lebens war 2005 mit Chuck Berry in Bonn. Berry ließ immer einen Pianisten und einen Schlagzeuger aus der jeweiligen Stadt dazukommen. Das waren damals ich und ein recht guter Schlagzeuger aus Bonn. Es gab keine Probe, sondern wir mussten uns sein Programm anhand einer Videokassette aneignen. Das war sehr skurril. Beim Konzert war das Problem, dass Chuck Berry seine eigenen Gitarrenlicks nicht mehr spielen konnte und aus Wut den Schlagzeuger dafür verantwortlich gemacht hat. Das ging soweit, bis dieser frustriert die Bühne verließ. Sehr peinlich.
Ein Typ aus dem Publikum, der auch nicht wirklich Schlagzeug spielen konnte, kam auf die Bühne gesprungen und spielte mit uns das Konzert zu Ende. Die Hälfte der Zuhörer wollte danach ihr Geld zurück. Ich wäre fast im Boden versunken vor Scham. So was geht dann auch gegen die eigene Musikerehre.

 

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?

Als Keyboarder bin ich sehr grooveorientiert. Bevor ich einen Song spiele, überlege ich mir genau, wie ich ihn aufbaue. Ich spiele sehr diszipliniert. Man kann fast sagen ich produziere live. Ziel ist immer den Song nach vorne zu bringen ohne ihn kaputt zu machen. Man hat eine klare Vorstellung, wie es klingen muss. Klare Strukturen sind für mich sehr wichtig. Dadurch vermeidet man diesen Frequenzmatsch. Solistisch bin ich hauptsächlich von Saxophonisten geprägt worden. Ich habe sehr viel Charlie Parker und  Michael Brecker geübt. Das waren so meine solistischen Vorbilder.


Gibt es weitere Vorbilder?

Klar. Als Keyboarder kommt man nicht an Joe Zawinul (Weather Report) vorbei.Der hat mich sehr stark beeinflusst. Joe Zawinul hat Keyboard gespielt wie ein Trompeter oder Saxophonist spielen würde. Ein ganz eigener Sound. Und Kenny Kirkland, der auf dieser Livescheibe von Sting aus den 80ern dieses unfassbare Pianosolo gespielt hat. So funky, das gab‘s nie wieder.

 

Morgen geht‘s wieder zurück nach Hamburg. Was machst Du, wenn Du nicht mit Sasha unterwegs bist?

Gigs spielen ist für mich wie ausgehen. Ich bin danach auch gerne wieder zu Hause. Im Moment spiele ich zusammen mit einem Team Playbacks für die neue Popstarstaffel ein. Das macht total Bock, weil du aus deinen Kisten alles rausholen musst um genau den Sound von Justin Timberlake oder Timberland zu erzeugen. Das ist ne ganz schöne Herausforderung. Aber die meiste Zeit, so 70% würde ich sagen, nimmt meine Band monoPunk in Anspruch. Wir sind oft im Studio, schreiben sehr viel und suchen zur Zeit ein Management oder wenigstens ne Bookingagentur, die uns die Arbeit ein bißchen aus der Hand nehmen, damit wir uns auf das Musikalische konzentrieren können.


monoPunk hat ein ganz eigenes Konzept...

Richtig. monoPunk ist eine dreiköpfige Rhythmusgruppe, die schreibt und produziert. Wir suchen immer neue Künstler, mit denen wir arbeiten können. Bisher: Cosmo Klein, Money Mendoza (Rapper aus HH), Ole Soul und b-phenix (Rapper aus Holland). Wir sind stilistisch vielseitig, haben aber auch unsere eigene Handschrift, die zwischen modern R&B/Hip Hop, motown und Pop liegt.

 

Ist monoPunk für Dich eine Herzensangelegenheit?

Es ist die Traumbesetzung, die man sich immer gewünscht hat. Wir verstehen uns. Man muss keine Worte verlieren um Musik zu machen. Das gibt es nicht oft. Ich habe es immer gehasst, wenn man bei Proben viel mehr reden und erklären muss, als letztendlich Musik zu machen. Wenn‘s so läuft, dann ist da was falsch.

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