Jordan Rudess

 

Auch Jordan Rudess begann als Pianist und spielte daher anfangs klassische Musik. Während seiner Ausbildung an der Juilliard School entdeckte er jedoch eine ganze Schar anderer musikalischer Möglichkeiten. Heutzutage tritt er Abend für Abend an seinen Keyboards an, um etwas Unglaubliches, Lautes und Eindrucksvolles mit der „Progressive Rock“-Kapelle Dream Theater aus dem Ärmel zu schütteln.

 

Wir haben uns mit Jordan über seine Karriere, seinen Werdegang am Klavier und die Entdeckung des KORG OASYS unterhalten.

KORG im Gespräch mit Jordan Rudess

 

Beginnen wir doch ganz am Anfang. Seit wann spielst du Musik und was hat dich dazu bewogen?

Ich spiele seit meinem siebten Lebensjahr. Meine Lehrerin rief eines Tages meine Mutter an und schwärmte, dass ich so schön Klavier spielen könne. Da wir damals kein Klavier zu Hause hatten, staunte meine Mutter nicht schlecht. Die Woche darauf kaufte sie mir dann ein Klavier, und ich bekam Unterricht. Mein erster Lehrer kam ein Mal die Woche. Nach einem Monat wollte er kein Geld mehr für den Unterricht, brachte mir Akkorde bei und zeigte, wie man improvisiert.


Meine Eltern rieten mir jedoch zu einer ernsthafteren Ausbildung und fanden schließlich eine ungarische Lehrerin, die mich auf die Aufnahmeprüfung an der Juilliard School of Music vorbereitete. Damals war ich neun. In meiner Zeit an der Juilliard School habe ich zwar klassische Musik studiert, spielte aber auch Unterhaltungsmusik, weil meine Mutter oft mit den Noten dieses oder jenes Broadway-Musicals ankam, die ich dann für Freunde und bei Partys spielen musste. Damals habe ich außerdem die Beatles entdeckt und begann in den Proberäumen der Juilliard School zu jammen und zu improvisieren!


Wann hast du dich für Rock und symphonischen Rock interessiert?

Als ich 17 war, spielten mir meine Freunde symphonischen Rock vor. Sachen von ELP, Genesis, Yes und King Crimson. Beim Hören von „Tarkus“ von ELP begriff ich erstmals, welche Power man als Rock-Keyboarder entfesseln kann. Und als ich Patrick Moraz’ Soli auf dem „Refugee“-Album hörte, wusste ich, dass ich einen Minimoog brauchte. Das war ein Wendepunkt in meinem Leben! Mir wurde klar, dass meine Zukunft über das Klavier hinausgehen musste: Ich wollte meine Sounds selbst machen und die Kontrolle wahren. Ich wusste, dass ich mit Synthesizern weitaus mehr steuern konnte – und das bedeutete das Ende meiner klassischen Karriere.

 

Nicht jeder weiß, dass du ein paar Jahre bei KORG USA gearbeitet hast. Was hast du damals gemacht?
1989 heuerte ich als Produktspezialist bei KORG an und blieb dort insgesamt vier Jahre. Ich musste vor allem viel reisen und überall in den Staaten Vorführungen und Workshops zu den neuesten KORG-Geräten geben. Als ich bei KORG begann, war der M1 gerade erschienen. Damals begann ich mit dem Programmieren von Sounds und Demos für die Firma.


Meine Highlights waren NAMM-Shows. Dabei habe ich mir viele Tricks draufgeschafft, von denen ich heute noch zehre. Die wichtigste Erkenntnis war, wie man alle Möglichkeiten eines Keyboards ausschöpft. Mein Aufgabenbereich bei KORG lag im Herausfinden, wie die Instrumente ticken und was man alles damit anstellen kann. Nur wenn es mir gelang, die Magie zu zeigen, hatte ich meinen Job gut gemacht! Eine unvergessliche Erfahrung war die Premiere der Wavestation auf der Musikmesse in Frankfurt, damals mit John Bowen und John Lehmkuhl.


Ich habe die Musik für die Vorführung geschrieben. Für mich war die Wavestation ein bahnbrechendes Instrument, das mich sehr inspirierte. Daher war meine Begeisterung während jener Vorstellung auch echt. Das Schöne an der Firma Korg ist ihr Erfindergeist, den man in so vielen Instrumenten spürt. Außerdem hören die Leute dort den Vorschlägen kreativer Musiker auch wirklich zu. Genau deshalb sind sie Marktführer.


Dream Theater gab es schon ein paar Jahre, als du dort eingestiegen bist. Hat dir die Band damals die Möglichkeit gegeben, deine Visionen in Bezug auf ältere Stücke einzubringen?

Ich versuche, alle meiner Meinung nach wichtigen Parts für die Songs, die vor meiner Zeit entstanden, zu respektieren. Bestimmte Synthesizer-Sounds klingen heutzutage wahrscheinlich etwas „passé“, sind in den alten Songs –zumal für das Publikum– aber sehr wichtig. In den Teilen, wo Dinge notwendig sind, die damals technisch noch unmöglich waren, ändere ich schon etwas. Ein gutes Beispiel hierfür sind z.B. Chorklänge, die der Keyboarder damals irgendwie zu imitieren versucht hat. Die gibt es heutzutage, also breche ich mir keinen ab.

 

Unlängst hast du dein Rig geradezu zusammengestaucht und verwendest seither nur noch ein Instrument. Was findest du am Korg OASYS so bestechend?

Ich suche schon seit längerem ein Instrument, mit dem ich alles tun kann, was ich möchte. Mir sind diese Keyboard-Burgen und Racks mit Modulen mittlerweile zuwider – wahrscheinlich, weil ich seinerzeit mit einem ausgesprochen vielseitigen Instrument angefangen habe. Bei Dream Theater ist die Sache ein wenig aus dem Ruder gelaufen. Anfangs wollte ich Spaß haben, und dazu gehörten möglichst viele Instrumente. Ich begann seinerzeit mit einem Keyboard, kaufte dann ein Modul hinzu, dann noch eins, dann wieder ein Keyboard – und irgendwann sah ich die Welt nicht mehr.
Folglich fragte ich mich eines Tages, wie ich wieder zur Normalität zurückfinden könnte. Ich fand das eine spannende und zugleich komplexe Idee. Ich glaube an die Technologie und die Leistung jener Instrumente. In gewisser Hinsicht habe ich geradezu auf den OASYS gewartet. Als ich das erste Mal auf ihn aufmerksam wurde, wusste ich, dass er etwas für mich ist. Aus dem Stand heraus vermutete ich, dass dieses Instrument die Lösung für mich sein könnte. Mit dem OASYS kann ich alles machen, was ich will. Also habe ich fast alles verkauft, was ich früher mit auf Tournee zu nehmen pflegte. Seither ist der OASYS mein Hauptinstrument.

 

Welche Funktionen des OASYS haben dich dazu angeregt, die anderen Synthis zu
verkaufen?

Es gab da mehrere Dinge. So z.B. die immense Polyphonie und der riesige Sample-RAM-Speicher. Außerdem jedoch die Möglichkeit, bis zu 16 Programs innerhalb einer Combination verwenden zu können. Ich spiele oft und gerne mit komplizierten Layern und Splits. Der OASYS unterstützt 16 Zonen, und so viele Hände habe nicht mal ich. Auch die Effektprozessoren des OASYS sind super. Meine Orgeln, Pianos und symphonischen Klänge sind aus dem Stand astrein.

 

Vor zwei Jahren war mein größtes Problem, dass die Orgel nicht realistisch genug wirkte. Dafür benötigte ich eine Rotary-Simulation und eine sengende Verzerrung. Dream Theater ist schließlich auch Rock’n’Roll, also muss der Sound braten und Power haben. Und für einen zünftigen Orgel-Sound braucht man zünftige Effekte. Bisher benötigte ich dafür mehrere Instrumente, weil die Effekte von externen Prozessoren erzeugt wurden. Der OASYS schafft das im Alleingang. Außerdem wirkt alles überraschend lebendig. Einfach super.

 

Wie verwendest du denn die drei Synthi-Blöcke im OASYS? 

Das klappt ganz hervorragend. Da liegt mir eine immense Sound-Welt zu Füßen. Der Orgelmodus mit den Zugriegeln, die zudem so musikalisch funktionieren… keine Klangunterbrechungen… Wow! Beim Spielen kann man sogar gleich mehrere Zugriegel verschieben. Realistischer geht es wohl kaum. Das Orgelmodell enthält sogar den Rotary-Effekt, so dass ich für den Brat-Sound nur noch einen anderen Effektblock benötige.
Auch die Analog-Synthese gebrauche ich oft und gerne. Ich habe einen eigenen Solo-Sound entwickelt und musste auf dem OASYS erstmal schauen, wie ich den hinbekomme. Er wurde noch druckvoller und expressiver, weil der OASYS ja auch ein Analog-Synthesemodell enthält. Das, der HD1 und das Sampling: Mehr brauche ich weiß Gott nicht.

 

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