Die Kombination von Hardcore-Rock mit Funkadelic Jazz-Applikationen der Mars Volta ist in den USA ausgesprochen beliebt und breitet sich jetzt auch geschwind in Europa aus. Wir haben uns mit ihrem Keyboarder Ikey Owens über Tourneen, Alben… und KORG-Orgeln unterhalten.
Kopfmusik, hypnotisch, theatralisch, zu anspruchsvoll, geballt… Diese Adjektive fallen im Zusammenhang mit den Mars Volta ziemlich oft. 2003 bestritten sie das Vorprogramm einer Tournee der Queens Of The Stone Age und Red Hot Chili Peppers. Damals freuten sie sich schon, wenn die ersten beiden Sitzreihen voll waren, mussten dann aber oft feststellen, dass es eigentlich Fans von Anthony Kiedis oder Flea waren. Spulen wir also vor ins Jahr 2005: Heutzutage sind alle Mars Volta-Konzerte der US-Tour ausverkauft. Selbstverständlich spielen sie nicht mehr im Vorprogramm und füllen trotzdem solch hehre Tempel wie das Roseland in New York – und zwar gleich zweimal hintereinander. Das schaffen nur die wenigsten, ganz gleich, ob es nun kalifornische Prog-Rocker mit wilder Mähne sind oder nicht!
Das Wörterbuch „Merriam-Webster“ lehrt uns, dass ein „Volt“ die Standardeinheit zum Messen des elektrischen Potenzials oder der elektromotorischen Kraft ist. Und Mars ist bekanntlich ein Planet. Kann man also davon ausgehen, dass „The Mars Volta“ elektrische Kräfte von einem anderen Planeten sind? Könnte man zumindest. Wer sich jedoch nicht ganz so stur anstellt und sich der Aura der Mars Volta öffnet (das ist noch nicht einmal zu hoch gegriffen), merkt schnell, dass es sich um eine elektrisierende Erfahrung handelt. Wir haben uns neulich mit dem Keyboarder Isaiah „Ikey“ Owens über dessen Rolle in der Band und den damit einhergehenden Erfahrungen unterhalten.

Schön krosser Crossover
Hervorgegangen aus einer aufgelösten Band namens „At The Drive-In“, hat sich Mars Volta flugs auf einen anderen musikalischen Ansatz besonnen. Die Jungs interessierten sich für das Künstlerische und wollten experimentieren. Ihre Musik ist entsprechend unkonventionell. In der Presse ist die Rede von einer Mischung aus Hardcore, progressivem/psychedelischem Rock und Free Jazz. Wer die Jungs schon einmal live gesehen hat, weiß, wie ansteckend ihre Energie wirkt. Kein Wunder also, dass sie mittlerweile nur noch vor ausverkauften Häusern spielen. Fast jeder Song rast im Achterbahntempo auf das Publikum zu, reißt es hoch und trägt es steil hinab. Das wird von der Show eindrucksvoll untermalt – atemberaubend. Ikey Owens, der auf der Bühne eine CX-3-Orgel von KORG verwendet, nutzt sein organistisches Talent zum Organisieren einer herrlich warmen Atmosphäre. Sein erstes Instrument war übrigens die Tuba, die er bereits in der Grundschule gegen eine Bassposaune eintauschte. In seiner bereits recht langen Karriere hat er bei Sly and the Family Stone, Fishbone, den Red Hot Chili Peppers und mit Benchmont Tench (Keyboarder von Tom Petty & The Heartbreakers) gespielt – und das sind nur die bekanntesten Stationen.
Außerdem war Ikey bei den „Long Beach Dub All-Stars“ dabei. Genau die Rolle verhalf ihm zur Glaubwürdigkeit, die dazu führte, dass seine aktuellen Band-Kumpels Omar Rodriguez-Lopez und Cedric Bixler-Zavala ihn zu einer Jamsession einluden. Ikey meint dazu: „Ich war ein großer Sublime-Fan und spielte zwischen 1994 und 1996 bei den ‘Long Beach Dub All-Stars’. Omar und Cedric habe ich über einen gemeinsamen Freund bei einem De La Soul-Konzert kennen gelernt. Ein paar Tage später spielten wir schon zusammen.“ Seit jener Begegnung hat Ikey auf beiden Mars Volta-Alben die Tasten gedrückt: auf „Deloused In The Comatorium“ und dem mit viel Vorschusslorbeeren bedachten "Frances The Mute".

Stumm… vor Entzücken
„Frances The Mute“ wurde von Rolling Stone im Mai 2005 mit vier Sternen bedacht und brachte der Band den 4. Platz in der Billboard Top 200 ein. Wie das erste Album, das vom Tod eines surrealistischen Malers inspiriert wurde, zollt „Frances The Mute“ dem verstorbenen Band-Kumpel Jeremy Ward Tribut. Das Thema stammt aus einem anonymen Tagebuch, das man im Kofferraum von Wards Auto gefunden hatte. „Frances“ enthält fünf Songs, dauert aber 77 Minuten. Es ist zur Hälfte ein Konzeptalbum über Tod, Wiedergeburt, Leere und ein unstillbares Verlangen. Allein in der ersten Woche verkaufte sich das Album 123.000 Mal. Die Presse staunte und die Fans wussten, dass sich hier etwas Großes anbahnte.
Das Album ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen Ikey und Omar Rodriguez-Lopez. Auch beim neuen Album ist das der Fall. „Omar schreibt alle Songs und ich komponiere meine Keyboard-Parts.“ erläutert Ikey. „Er schafft den musikalischen Rahmen, der von den übrigen Musikern dann ‘verkleidet’ wird. Auf dem vorigen Album wusste keiner, was die anderen bereits eingespielt hatten. Ich war als Letzter dran – fast ein Jahr nach den Schlagzeugaufnahmen! Ich habe also blind spielen müssen. Diesmal [auf Frances The Mute] störte mich diese Vorgehensweise viel weniger.“
An dem neuen Album wirken auch Flea und John Frusciante der Red Hot Chili Peppers mit. Das ist in erster Linie einer Tournee im Jahr 2003 zu verdanken, bei der sich die Mars Volta und Chili Peppers näher kamen. Johns Gitarrensolo und Fleas Bläserparts lohnen sich allemal.
Live-Konzerte sind auch für eingefleischte Mars Volta-Fans immer wieder ein Erlebnis. Wenn man dem Mann an der Orgel glauben darf, ist die Live-Komponente die größte Stärke der Band. „Wir können musikalisch interessant spielen und sogar improvisieren, ohne dass es gleich in endloses ‘Genudele’ bzw. Musik für Musiker ausartet. Am besten sind wir, wenn wir hart spielen und improvisieren. Dabei hören wir den anderen aber immer ganz genau zu.“
„Im Live-Set“, fügt er hinzu, „spielt die Orgel eine fast dominante Rolle. Die KORG CX-3 fungiert quasi als zweite Gitarre. Immer wenn es ‘heavy’ wird, spiele ich auf der Orgel.“ Wenn Sie selbst einmal erleben möchten, wie Ikey seine CX-3 zum Zetern bringt, sollten Sie so schnell wie möglich ein Mars Volta-Konzert besuchen oder die CX-3-Riffs von Roulette Dares (The Haunt Of) studieren.
Obwohl er mit den Mars Volta alle Hände voll zu tun hat, beschäftigt sich Owens auch mit anderen Dingen. Da gibt es z. B. ein Projekt namens „Free Moral Agents“, dessen erstes Album (Everybody’s Favourite Weapon) im Juni 2004 erschien. Ikey: „Hier spielt ein HipHop-Vibe in bester The Roots-Manier die Hauptrolle. Nur ist es noch abgedrehter.“ Außerdem hat er viele Songs geschrieben und auf Z-Trips neuem Album (Shifting Gears) die Keyboard-Parts gespielt. Und als ob das nicht bereits eine Menge Holz wäre, wirkt Ikey an Projekten des Künstlers/Produzenten Danger Mouse mit. Auch dort bringt er sein ganzes Fachwissen ein.
Als großer Fan der KORG CX3-Orgel verrät uns Ikey Owens, wie er sie verwendet…
„Was mir an der CX-3 im Vergleich zu anderen Orgelmodulen besonders gefällt, ist die Möglichkeit, die Zugriegel blitzschnell anders einzustellen. Wenn ich erstmal den Grund-Sound gefunden habe, kann ich ihn augenblicklich variieren.“ schwärmt Ikey.
„In dem Song ‘Cygnus’ benötige ich für die Refrains einen speziellen Sound, den ich sonst nie verwende. Also habe ich mir die Zugriegel so eingestellt, dass ich den Sound aus dem Stand heller machen kann. Für die übrigen Song-Teile verwende ich hingegen meinen normalen Orgel-Sound. Folglich muss ich zwischen dem Refrain- und Strophen-Sound hin und her wechseln können. Mit den Zugriegeln klappt das perfekt – und immer rechtzeitig!“